Asana, Mudra, Bandha, Pranayama – und was der Buddhismus dazu sagt
Yoga und Buddhismus sind im selben kulturellen Raum entstanden: im alten Indien, unter Asketen, die mit Körper, Atem und Geist experimentierten. Der Buddha selbst übte nach der Überlieferung zunächst bei zwei Meditationslehrern und später in strenger Askese, bevor er seinen eigenen, „mittleren“ Weg fand. Kein Wunder, dass viele Begriffe des Yoga auch in der buddhistischen Praxis auftauchen – oft mit etwas anderer Bedeutung.
Asana – die Haltung
Im Yoga-Sūtra des Patañjali bedeutet Āsana zunächst schlicht „Sitz“: eine Haltung, die fest und angenehm sein soll. Die vielen Körperstellungen des heutigen Yoga kamen erst später hinzu, vor allem im Hatha-Yoga des Mittelalters und in der Neuzeit. Im Buddhismus ist der Meditationssitz selbst die zentrale Haltung; dazu kommen Gehen, Stehen und Liegen als die „vier Haltungen“, in denen Achtsamkeit geübt wird. Eigenständige Bewegungssysteme gibt es vor allem im tibetischen Buddhismus, etwa das Trulkhor, eine Folge von Bewegungen, die mit Atem und Vorstellung verbunden wird.
Wie Sie eine gute Sitzhaltung finden, beschreibt der Beitrag Sitzen lernen.
Mudra – die Handgeste
Mudrās sind Gesten der Hände, manchmal des ganzen Körpers. In der buddhistischen Kunst erkennt man an ihnen, welche Szene oder welche Gestalt dargestellt ist.
| Mudra | Haltung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Dhyāna-mudrā | Hände im Schoß, rechte auf linker, Daumen berühren sich | Meditation, Sammlung |
| Bhūmisparśa-mudrā | rechte Hand berührt die Erde | Anrufung der Erde als Zeugin des Erwachens |
| Dharmacakra-mudrā | beide Hände vor der Brust, Finger bilden Kreise | Drehen des Rades der Lehre |
| Abhaya-mudrā | rechte Hand erhoben, Handfläche nach außen | Furchtlosigkeit, Schutz |
| Varada-mudrā | Hand nach unten geöffnet | Gewähren, Großzügigkeit – typisch für Tara |
In der Meditation wird meist die Dhyāna-mudrā verwendet. Die Geste hat eine einfache Funktion: Sie gibt den Händen einen Ruheplatz und zeigt, wie wach die Aufmerksamkeit ist – drücken die Daumen, ist man angespannt; fallen sie auseinander, ist man schläfrig. Die Tara-Figuren zeigen die gewährende Geste besonders deutlich.
Bandha – der Verschluss
Bandhas sind im Hatha-Yoga gezielte Muskelspannungen, etwa am Beckenboden, am Zwerchfell oder im Hals, die mit dem Atem kombiniert werden. In der frühbuddhistischen Meditation spielen sie keine eigene Rolle. Verwandte Techniken finden sich aber in den tantrischen Praktiken Tibets, etwa in den Sechs Yogas des Nāropa, zu denen die Übung der inneren Wärme (Tummo) gehört. Solche Übungen werden traditionell nur unter persönlicher Anleitung weitergegeben – aus gutem Grund, denn falsch ausgeführt können sie belasten.
Pranayama – der Atem
Beim Prāṇāyāma im Yoga wird der Atem bewusst gelenkt: verlängert, angehalten, durch ein Nasenloch geführt. Die buddhistische Grundübung geht einen anderen Weg. In der Atemachtsamkeit (Ānāpānasati) wird der Atem nicht verändert, sondern beobachtet – ein langer Atemzug als lang, ein kurzer als kurz. Die Lehrrede über die Atemachtsamkeit beschreibt sechzehn Schritte in vier Gruppen, die vom Körper über die Gefühle und den Geist bis zur Einsicht in die Vergänglichkeit führen.
Verbinden oder trennen?
Viele Menschen üben heute Yoga und buddhistische Meditation nebeneinander, und viele Lehrende empfehlen genau das: Bewegung und Dehnung machen den Körper bereit für längeres Sitzen. Wichtig ist nur, die Ziele nicht zu verwechseln. Körperliches Wohlgefühl ist im Yoga wie im Buddhismus ein willkommener Nebeneffekt, nicht das Ziel. In beiden Traditionen geht es letztlich um einen klaren, freien Geist.