Zum Inhalt
Frauen & Buddhismus Überlieferung · Bilder · Gegenwart · Praxis
Bilder

Tara: die Befreierin im tibetischen Buddhismus

Aktualisiert am 3 Minuten Lesezeit

Kaum eine Gestalt des tibetischen Buddhismus ist so beliebt wie Tara. Sie wird in Klöstern und Haushalten angerufen, bei Reisen, Krankheit und Angst. Ihr Name bedeutet „Stern“ oder „die Hinüberführende“, im Tibetischen heißt sie Drölma, „die Befreierin“. Für viele Frauen im Westen ist sie zu einem Sinnbild dafür geworden, dass Erwachen auch eine weibliche Gestalt haben kann.

Tibetisches Rollbild: grüne Tara im Zentrum, umgeben von zwanzig kleineren Tara-Figuren
Grüne Tara, umgeben von zwanzig weiteren Erscheinungsformen – tibetisches Rollbild (Thangka), Art Institute of Chicago.
anonym · gemeinfrei · Wikimedia Commons

Die Legende von der Prinzessin Mondweisheit

Eine bekannte tibetische Erzählung berichtet von einer Prinzessin namens Yeshe Dawa, „Mond der Weisheit“, die vor unermesslichen Zeiten lebte. Sie war dem Buddha ihrer Zeit tief ergeben. Mönche rieten ihr, darum zu beten, als Mann wiedergeboren zu werden, weil das für das Erwachen günstiger sei. Die Prinzessin antwortete sinngemäß, dass es in Wahrheit weder Mann noch Frau gebe, und dass es ohnehin schon viele gebe, die das Erwachen in einem männlichen Körper anstrebten. Sie gelobte deshalb, bis zur vollständigen Befreiung aller Wesen stets in weiblicher Gestalt zu wirken.

Diese Geschichte ist später entstanden als die frühen indischen Tara-Texte, sie wird aber heute oft als erste Antwort auf die Frage zitiert, welche Bedeutung das Geschlecht auf dem Weg hat. Eine andere Überlieferung erzählt, Tara sei aus einer Träne des Bodhisattva Avalokiteshvara entstanden, der über das Leid der Welt weinte.

Grün, Weiß und die anderen Farben

Tara erscheint in vielen Formen, die sich vor allem durch ihre Farbe unterscheiden. Die Farbe steht jeweils für eine bestimmte Art zu wirken.

Fünf häufige Farbformen der Tara und ihre BedeutungGrüne Taratatkräftiges MitgefühlWeiße Taralanges Leben, HeilungRote TaraAnziehung, HingabeGelbe TaraFülle, WohlstandBlaue Tarazornvolle Abwehr
Fünf häufige Farbformen der Tara und ihre traditionelle Bedeutung (vereinfacht).

Die Grüne Tara sitzt auf einem Lotos, das linke Bein angezogen, das rechte leicht ausgestreckt – bereit aufzustehen und zu helfen. Die Weiße Tara sitzt dagegen im vollen Meditationssitz und trägt zusätzliche Augen in Handflächen, Fußsohlen und auf der Stirn. Sie wird besonders für langes Leben und Heilung angerufen.

Die 21 Taras

Ein im Tibetischen weit verbreiteter Lobpreis richtet sich an 21 Erscheinungsformen der Tara. Jede Strophe beschreibt eine eigene Gestalt mit eigener Farbe und Aufgabe, von friedvoll bis zornvoll. Viele Nonnen und Laien rezitieren das Gebet täglich, oft mehrmals. Auf Rollbildern wie dem oben gezeigten sitzt die Grüne Tara in der Mitte, umgeben von den übrigen Formen.

Gesten und Symbole

Bronzefigur der Grünen Tara, sitzend, das rechte Bein ausgestreckt
Grüne Tara, Bronze, Tibet, 11. Jahrhundert (Fitchburg Art Museum).
Daderot · CC0 · Wikimedia Commons

Das Mantra

Das bekannteste Mantra der Grünen Tara lautet oṃ tāre tuttāre ture svāhā. Es spielt mit dem Namen Tara selbst und wird oft als Anrufung um Befreiung von äußeren und inneren Gefahren verstanden. In der Praxis wird es meist mit einer Mala, einer Gebetskette aus 108 Perlen, gezählt – im Tibetischen hört man häufig die Aussprache „soha“ am Ende.

Tara und die historischen Frauen

In Tibet wurden auch historische Frauen als Ausstrahlungen der Tara verehrt, etwa die beiden Gemahlinnen des Königs Songtsen Gampo aus Nepal und China, die im 7. Jahrhundert buddhistische Statuen nach Tibet gebracht haben sollen. So verbindet sich die Gestalt der Befreierin mit der Geschichte des Landes.

Wie Tara in ein größeres Bild weiblicher Gestalten passt – von Prajñāpāramitā bis Guanyin –, zeigt der Beitrag über Göttinnen und Weisheit.

Zum Weiterlesen

Passt dazu