Mütter in Stein und Farbe: Frauen in der buddhistischen Kunst
Die buddhistische Kunst erzählt von Anfang an auch von Frauen. Schon die frühen Reliefs an indischen Stupas zeigen Mütter, Göttinnen der Fruchtbarkeit und Stifterinnen. Ein besonderer Faden zieht sich durch diese Bilder: die Mutterschaft – als Ursprung, als Schutz und als Bild für Mitgefühl.

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Königin Maya: die Mutter des Buddha
Nach der Überlieferung träumte Königin Māyā von einem weißen Elefanten, der in ihre Seite eintrat. Die Deuter lasen darin die Ankündigung eines außergewöhnlichen Sohnes. Auf dem Weg zu ihrem Elternhaus brachte sie im Hain von Lumbinī ihr Kind zur Welt – stehend, einen Ast des Sala-Baums haltend. Das Kind soll aus ihrer rechten Seite geboren worden sein. Sieben Tage später starb Māyā; ihre Schwester Mahāpajāpatī zog den Jungen auf.
Diese Szene gehört zu den am häufigsten dargestellten Motiven der buddhistischen Kunst. In Gandhara, im heutigen Pakistan und Afghanistan, meißelten Bildhauer im 2. und 3. Jahrhundert unzählige Fassungen davon. Die Haltung der Königin mit erhobenem Arm am Baum greift ein älteres indisches Bildmotiv auf: die Baumgöttin (śālabhañjikā), die mit ihrer Berührung den Baum zum Blühen bringt.
Am Anfang der buddhistischen Bildwelt steht eine Mutter – und eine Frau, die nach sieben Tagen stirbt.
Mahāpajāpatī: die zweite Mutter
Die Ziehmutter des Buddha taucht in der Kunst seltener auf, doch ihre Rolle ist doppelt bedeutend: Sie zog den späteren Buddha groß und wurde die erste Nonne. Die Geschichte ihrer Bitte um Aufnahme in den Orden erzählt der Beitrag über Frauen im frühen Buddhismus.
Hāritī: von der Kinderfresserin zur Schützerin
Eine der eigenwilligsten Gestalten ist Hāritī. Die Legende erzählt von einer Dämonin, die Kinder raubte, um ihre eigenen vielen Kinder zu nähren. Der Buddha versteckte daraufhin ihr jüngstes Kind. Verzweifelt suchte Hāritī überall, bis sie beim Buddha erkannte, welchen Schmerz sie anderen Müttern zugefügt hatte. Sie versprach, fortan Kinder zu schützen, und die Mönche sagten ihr zu, sie bei jeder Mahlzeit mit einer Gabe zu bedenken.

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In Gandhara wurde Hāritī oft mit Kindern auf dem Schoß dargestellt, manchmal zusammen mit ihrem Gefährten Pañcika. In Japan kennt man sie als Kishimojin, eine Schutzgottheit für Geburt und Kinder.
Stifterinnen am Bildrand
Weniger bekannt, aber historisch aufschlussreich sind die Inschriften an alten Stupas wie in Sanchi. Sie verzeichnen viele Frauen als Stifterinnen – Nonnen ebenso wie Laienanhängerinnen, die mit ihrem Geld Geländerpfosten oder Tore finanzierten. Die Forschung hat daraus geschlossen, dass Frauen im frühen Buddhismus nicht nur als Figuren in Geschichten, sondern auch als wirtschaftlich Handelnde eine erhebliche Rolle spielten.
Das Bild der Mutter in den Texten
Auch in der Literatur ist die Mutter ein zentrales Bild. Eine bekannte Lehrrede über liebende Güte (das Mettā-Sutta) vergleicht die grenzenlose Zuwendung zu allen Wesen mit einer Mutter, die ihr einziges Kind mit ihrem Leben schützt. Im tibetischen Buddhismus gehört die Betrachtung, dass alle Wesen in früheren Leben einmal die eigene Mutter gewesen seien, zu den grundlegenden Übungen für die Entwicklung von Mitgefühl.
Mehr zu Prajñāpāramitā und Guanyin steht im Beitrag Göttinnen, Dakinis und die Mutter der Weisheit.