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Gegenwart

Lehrerinnen, Äbtissinnen, Gründerinnen: Frauen, die heute prägen

Aktualisiert am 3 Minuten Lesezeit

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren buddhistische Lehrerinnen im Westen eine Ausnahme. Heute leiten Frauen Klöster, Meditationszentren und Studienprogramme, schreiben Bücher mit großen Auflagen und bilden selbst Lehrende aus. Einige von ihnen haben den Weg für viele andere geebnet. Die folgenden Porträts sind eine Auswahl, keine Rangliste.

Ayya Khema (1923–1997): von Berlin in den Orden

Ayya Khema wurde 1923 als Ilse Kussel in Berlin geboren. Als Kind jüdischer Eltern verließ sie Deutschland 1938 mit einem Kindertransport, lebte später in China, den USA und Australien. Erst in der Lebensmitte begann sie ernsthaft zu meditieren. 1979 wurde sie in Sri Lanka Nonne, gründete dort eine Insel-Einsiedelei für Frauen und kehrte später nach Deutschland zurück. 1989 entstand auf ihre Initiative das Buddha-Haus im Allgäu, eines der bekanntesten Meditationszentren im deutschsprachigen Raum.

Ihre Vorträge verbanden klassische Theravada-Meditation mit einer klaren, alltagsnahen Sprache. Viele ihrer Bücher sind bis heute im Handel.

Tenzin Palmo (geb. 1943): zwölf Jahre in der Höhle

Die Engländerin Diane Perry wurde 1964 in Indien als eine der ersten westlichen Frauen im tibetischen Buddhismus zur Nonne geweiht und erhielt den Namen Tenzin Palmo. Berühmt wurde sie durch ihren Rückzug: Zwölf Jahre lebte sie in einer Höhle im Himalaya, auf rund 4.000 Metern Höhe, davon drei Jahre in strenger Klausur. Später gründete sie in Nordindien das Nonnenkloster Dongyu Gatsal Ling, in dem junge Frauen aus dem Himalaya eine umfassende Ausbildung erhalten. 2008 verlieh ihr das Oberhaupt ihrer Linie den seltenen Titel Jetsunma, „ehrwürdige Meisterin“.

Pema Chödrön (geb. 1936): Lehrerin für schwere Zeiten

Die Amerikanerin Pema Chödrön ist Schülerin des tibetischen Lehrers Chögyam Trungpa. 1981 ließ sie sich in Hongkong in der chinesischen Linie voll ordinieren. Sie wurde die erste Leiterin der Gampo Abbey in Nova Scotia, eines Klosters für westliche Mönche und Nonnen. Ihre Bücher, allen voran „Wenn alles zusammenbricht“, erreichten ein Publikum weit über buddhistische Kreise hinaus.

Dhammananda (geb. 1944): Wissenschaftlerin und Nonne

Chatsumarn Kabilsingh lehrte als Professorin für Philosophie und Religion in Bangkok, bevor sie sich 2003 als erste Thailänderin der Gegenwart voll ordinieren ließ. Als Venerable Dhammananda leitet sie ein Kloster westlich von Bangkok und setzt sich für die Anerkennung von Nonnen in Thailand ein – ein Weg, der dort bis heute auf Widerstand stößt (mehr im Beitrag Volle Ordination für Frauen).

Karma Lekshe Tsomo: Netzwerke knüpfen

Die amerikanische Nonne und Religionswissenschaftlerin Karma Lekshe Tsomo gehört zu den Mitgründerinnen von Sakyadhita, der internationalen Vereinigung buddhistischer Frauen, die 1987 in Bodhgaya entstand. Der Name bedeutet „Töchter des Buddha“. Sakyadhita organisiert seitdem regelmäßig internationale Konferenzen, auf denen Nonnen und Laienfrauen aus Asien und dem Westen zusammenkommen.

Im deutschsprachigen Raum

Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es seit Jahrzehnten erfahrene Lehrerinnen in allen großen Traditionen. Viele Zentren achten inzwischen darauf, dass Frauen im Lehrkörper selbstverständlich vertreten sind. Wer eine Gruppe sucht, findet Hinweise in der Übersicht Gegenwart.

Führung heißt auch Verantwortung

Mehr Frauen in Leitungsrollen haben auch eine andere Diskussion beflügelt: die über Machtmissbrauch in spirituellen Gemeinschaften. Seit den 2010er-Jahren wurden mehrere Fälle bekannt, in denen Lehrer ihre Stellung ausnutzten. Viele Lehrerinnen haben sich an der Aufarbeitung beteiligt und für klare ethische Leitlinien geworben. Auch das gehört zur Geschichte weiblicher Führung im Buddhismus der Gegenwart.

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