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Volle Ordination für Frauen: der Stand heute

Aktualisiert am 3 Minuten Lesezeit

Wer im Westen eine buddhistische Nonne trifft, fragt selten nach ihrem Ordinationsstatus. Innerhalb der Traditionen ist diese Frage aber seit Jahrzehnten eine der meistdiskutierten überhaupt. Es geht um Gleichberechtigung, um Kirchenrecht im buddhistischen Sinn – und ganz praktisch um Unterhalt, Ausbildung und Ansehen von Frauen, die ihr Leben der Praxis widmen.

Stand der vollen Nonnenordination in drei großen TraditionenTheravadaSri Lanka, Thailand, MyanmarLinie ab dem 11. Jh.unterbrochenseit 1996/1998 in Sri Lankaneu begründetin Thailand und Myanmarstaatlich nicht anerkanntOstasienChina, Taiwan, Korea, VietnamLinie seit dem 5. Jh.ununterbrochengroße Nonnenklöster,starke Ausbildunghalf bei den neuenOrdinationen anderswoTibetische TraditionTibet, Himalaya, weltweittraditionell nurNovizinnen-Weiheseit 2016 höchsterStudienabschluss Geshema2022 volle Ordinationin Bhutan
Stand der vollen Nonnenordination in drei großen Traditionen (vereinfacht).

Warum es so schwierig ist

Nach den Ordensregeln wird eine Frau vor beiden Orden ordiniert: vor einer Versammlung vollordinierter Nonnen und einer Versammlung vollordinierter Mönche. Ist die Linie der Nonnen einmal abgerissen, entsteht ein Zirkel: Ohne Nonnen keine neuen Nonnen. Die Diskussion dreht sich deshalb um zwei Auswege. Entweder helfen Nonnen aus einer Tradition mit lebendiger Linie – vor allem aus China, Taiwan und Korea –, oder Mönche ordinieren allein, was manche Texte für einen Übergang zulassen.

Beide Wege sind umstritten. Kritiker sagen, die ostasiatische Linie folge einer anderen Ordensschule (Dharmaguptaka) und sei für Theravada oder die tibetische Mūlasarvāstivāda-Tradition nicht gültig. Befürworter halten dagegen, dass die ostasiatische Linie historisch selbst aus Sri Lanka stammt.

Theravada: Sri Lanka, Thailand, Myanmar

In Sri Lanka wurden 1996 in Sarnath zehn srilankische Frauen mit Unterstützung koreanischer Nonnen ordiniert. 1998 folgte eine große internationale Ordination in Bodhgaya, getragen vom taiwanischen Orden Fo Guang Shan. Seitdem hat sich in Sri Lanka wieder eine Gemeinschaft von Bhikkhunīs gebildet, die auch eigene Ordinationen durchführt. Staatlich anerkannt ist sie bis heute nur teilweise.

In Thailand ließ sich die Universitätsprofessorin Chatsumarn Kabilsingh 2001 in Sri Lanka zur Novizin und 2003 zur vollordinierten Nonne weihen. Als Venerable Dhammananda leitet sie ein Kloster bei Bangkok. Der thailändische Mönchsrat erkennt Bhikkhunīs nicht an; eine Anordnung von 1928 verbot Mönchen sogar ausdrücklich, Frauen zu ordinieren.

Im Westen sorgte 2009 eine Ordination in Perth für Aufsehen: Vier Frauen erhielten dort die volle Weihe im Beisein des englischen Mönchs Ajahn Brahm. Sein Kloster wurde daraufhin aus dem Netzwerk der thailändischen Waldtradition ausgeschlossen, in der er ausgebildet worden war.

In Myanmar ist die volle Ordination von Frauen nach wie vor nicht erlaubt; Frauen leben dort als Thilashin.

Tibetische Tradition: Geshema und Bhutan

In der tibetischen Tradition ging es lange zunächst um Bildung. Nonnen durften die großen philosophischen Studiengänge der Klöster nicht abschließen. Das änderte sich im Dezember 2016: Der Dalai Lama überreichte in Mundgod in Südindien 20 Nonnen den Geshema-Titel, den höchsten Abschluss der Gelug-Schule, vergleichbar einer Promotion. Weitere Jahrgänge folgten.

Die volle Ordination selbst blieb schwieriger. Im Juli 2007 diskutierten Fachleute, Mönche und Nonnen auf einem internationalen Kongress an der Universität Hamburg im Beisein des Dalai Lama über den Weg dorthin – ohne abschließende Entscheidung. Den historischen Schritt ging schließlich Bhutan: Im Juni 2022 erteilte der Je Khenpo, das Oberhaupt der bhutanischen Drukpa-Kagyü-Tradition, in Paro rund 144 Frauen die volle Ordination. Es war die erste solche Zeremonie in der Himalaya-Tradition der Neuzeit.

Die Frage ist nicht mehr, ob Frauen vollordinierte Nonnen sein können, sondern wer es wo anerkennt.

Ostasien: die lebendige Linie

In China, Taiwan, Korea und Vietnam hat es die volle Nonnenordination nie verloren. In Taiwan gibt es heute sogar deutlich mehr Nonnen als Mönche, und große Nonnenorden betreiben Universitäten, Krankenhäuser und Hilfswerke. Ohne diese Gemeinschaften wären die Neuordinationen in Süd- und Südostasien kaum möglich gewesen.

Und in Europa?

Auch in Deutschland leben Nonnen verschiedener Traditionen, meist in kleinen Klöstern oder als Lehrerinnen in Zentren. Die Frage der Ordination wird hier weniger als Kampf geführt, sondern als praktische: Wo kann eine Frau ausgebildet werden, und wie wird sie unterhalten? Wie Frauen heute in Führungsrollen wirken, zeigt der Beitrag über Lehrerinnen.

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