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Überlieferung

Sieben Frauengestalten der buddhistischen Überlieferung

Aktualisiert am 3 Minuten Lesezeit

Lehren werden im Buddhismus oft über Geschichten weitergegeben. Einige der bekanntesten handeln von Frauen – von Müttern, Königinnen, einer Kurtisane und zwei tibetischen Meisterinnen. Die folgenden sieben Gestalten stammen aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Quellen. Manche Details gehören zur Legende, der Kern der Erzählungen ist über Jahrhunderte stabil geblieben.

Tibetische Malerei: tanzende Yogini mit Trommel und Glocke
Machig Labdrön, Detail eines tibetischen Rollbildes. Die Trommel in ihrer Hand gehört zur Praxis des Chöd.
unbekannt · gemeinfrei · Wikimedia Commons

1. Kisā Gotamī und das Senfkorn

Kisā Gotamī verliert ihr einziges Kind. Sie trägt den toten Jungen von Haus zu Haus und sucht ein Heilmittel. Der Buddha verspricht Hilfe, wenn sie ihm ein Senfkorn aus einem Haus bringt, in dem noch niemand gestorben ist. Sie findet kein solches Haus – und begreift, dass Tod zu jedem Leben gehört. Die Geschichte wird bis heute in der Trauerbegleitung erzählt, weil sie Trost nicht als Beschwichtigung versteht, sondern als geteilte Erfahrung.

2. Paṭācārā – nach dem Verlust von allem

Paṭācārā verliert nach der Überlieferung an einem einzigen Tag ihren Mann und ihre beiden Kinder, kurz darauf erfährt sie vom Tod ihrer Eltern und ihres Bruders. Nackt und verwirrt irrt sie umher, bis sie dem Buddha begegnet. Sie wird Nonne und später eine geschätzte Lehrerin, die viele Frauen begleitet. Ein Lied der Therīgāthā beschreibt, wie ihr beim Betrachten von Wasser, das im Boden versickert, die Vergänglichkeit aufgeht.

3. Ambapālī – die Kurtisane mit dem Mangohain

Ambapālī war eine wohlhabende und berühmte Kurtisane in Vesālī. Sie lud den Buddha und seine Mönche zum Mahl ein, obwohl einflussreiche Adlige ihr diese Ehre abkaufen wollten, und schenkte dem Orden anschließend ihren Mangohain. Später wurde sie selbst Nonne. Ihr Lied in der Therīgāthā vergleicht Strophe für Strophe ihre frühere Schönheit mit ihrem alternden Körper – ein nüchternes, fast unbarmherziges Selbstporträt.

4. Khemā – Königin und Lehrerin der Weisheit

Khemā, eine Gemahlin des Königs Bimbisāra, soll den Buddha zunächst gemieden haben, weil sie fürchtete, er werde ihre Eitelkeit tadeln. Nach der Überlieferung erkannte sie bei einer Begegnung mit ihm die Vergänglichkeit ihrer eigenen Schönheit. Sie wurde Nonne und gilt in den Listen der herausragenden Schülerinnen als die Erste an Weisheit. In einer Lehrrede beantwortet sie einem König philosophische Fragen – mit denselben Worten, die er später vom Buddha hört.

5. Dhammadinnā – die Auslegerin

Dhammadinnā war verheiratet mit dem Laienanhänger Visākha. Nach seiner eigenen Erleuchtungserfahrung trat sie in den Orden ein. Als er sie später über Meditation und Befreiung befragte, antwortete sie so präzise, dass der Buddha sagte, er hätte es genauso erklärt. Das Gespräch ist als eigene Lehrrede überliefert und wird in der Theravada-Welt bis heute studiert.

6. Yeshe Tsogyal – Mutter der tibetischen Überlieferung

Im 8. Jahrhundert lebte in Tibet Yeshe Tsogyal, Schülerin und Gefährtin des Meisters Padmasambhava. Die tibetische Tradition verehrt sie als vollständig erwachte Frau, die zahlreiche Lehren niederschrieb und als verborgene Schätze (Termas) für spätere Zeiten versteckte. Ihre Biografie, die in späteren Jahrhunderten entstand, gehört zu den wenigen ausführlichen Lebensgeschichten von Frauen in der tibetischen Literatur.

7. Machig Labdrön – Begründerin einer eigenen Praxis

Machig Labdrön (etwa 1055–1149) gilt als Begründerin der Chöd-Praxis, einer Meditationsform, in der die Übende in der Vorstellung den eigenen Körper als Gabe darbringt, um das Festhalten am Ich zu durchschneiden. Bemerkenswert ist, dass diese Lehre nach tibetischer Auffassung von Tibet nach Indien zurückwirkte – ein seltener Fall, in dem eine tibetische Praxis in der Tradition als eigenständig gilt. Die Linie des Chöd wird in mehreren Schulen bis heute weitergegeben.

Mehr über die Welt, aus der die ersten fünf Frauen stammen, erzählt der Beitrag über den Nonnenorden. Das Weibliche als Bild – von Tara bis Prajñāpāramitā – steht im Mittelpunkt der Rubrik Bilder.

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